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07.08.05

Pech gehabt? Familie und Beruf

Die Diskussion über die Kinderbetreuung war in Deutschland lange Zeit ideologisch befrachtet. Kinderkrippen? Oh, Gott die Rabenmütter sind unter uns!! „Sie wollen in unserer Firma anfangen, wo bleiben denn Ihre Kinder während Ihrer Abwesenheit?“ Diese Impressionen könnten vielfältig fortgeschrieben werden. Das Thema „Kindermangel“ oder anders ausgedrückt „Geburtenrückgang" beleuchtet

die Journalistin Stefanie Rosenkranz in einem Artikel, der vor wenigen Wochen in einer großen deutschen Illustrierten erschien.
Mit ihrer Familie (Mann und drei Kinder) ist sie vor kurzem von Frankreich nach Hamburg gezogen und stellt lapidar fest: „In Deutschland hätten wir keine Kinder bekommen.“ Die Gründe legt sie in ihrem Artikel offen. In Frankreich wird Entscheidendes, was die Kinderbetreuung anbelangt, für die Familien getan. Dort gibt es Kinderkrippen, Betriebskindergärten, Kindergärten, Tagesmütter und vor allem die Ganztagsschule. In diesen Institutionen werden die Kinder pädagogisch begleitet. Ganz entscheidend ist aber auch die Einstellung der Menschen zu diesen Einrichtungen und zur Berufstätigkeit der Frauen, sie ist nicht ideologisch belastet, sondern wird vielmehr für völlig normal gehalten. Ganz abgesehen davon, dass jedes Kind vom erweiterten Horizont nur profitieren kann.
Interessant ist die Beobachtung, dass in Frankreich und in Finnland kein Geburtenrückgang zu verzeichnen ist, anders als in Griechenland, Spanien, Italien und Deutschland, wo es keine Ganztagsschule und keine so gute Kinderbetreuung gibt. Sind die Kinder in Frankreich und Finnland etwa krimineller oder dümmer?

Sabine Borchers stellt fest: Weg mit den ideologischen Vorurteilen. Die Sozialdemokraten sind auf dem richtigen Weg mit der Einführung des Rechtsanspruches auf Teilzeitarbeit, der Förderung von Ganztagsschulen, der Schaffung von mehr und besseren Betreuungsangeboten für Kinder unter drei Jahren und der Planung bis 2010 einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz ab dem zweiten Lebensjahr durchzusetzen.

Veröffentlicht von Sabine Borchers am 07.08.05 22:48
Kommentare

Der Beruf und die Familie, das ist schon seit langen Jahren ein Problem und es hat sich nicht wirklich etwas Entscheidendes geändert. Noch immer sind Mütter oder Väter im Nachteil, wenn sie sich nicht um ihre Kinder kümmern können. Das soll heißen, an vielen Orten haben Eltern keine andere Wahl als dass ein Elternteil zu Hause bleibt und seine Karriere hintenanstellt. Unter solchen Voraussetzungen überlegen es sich viele junge Leute, ob sie überhaupt Kinder haben wollen. Es wundert nicht, wenn sie sich dagegen entscheiden. Die Unterbringung von Kleinkindern ist in Deutschland noch immer eine riesiges Problem und alle Anstrengungen haben es bisher nicht lösen können. Es wundert also nicht, wenn die Geburtenzahlen weiterhin rückläufig sind. In Deutschland hat man die dringende Notwendigkeit, genau an dieser Stelle etwas zu tun leider noch immer nicht erkannt.

Veröffentlicht von: Dirk Thiede am 26.08.05 20:42


Gestern haben wir im Kreistag über ein Wirtschaftspolitisches Rahmenkonzept für den Kreis Olpe gesprochen. Der Kreis bekommt als klassische Mittelstandsregion in Studien gute Noten. Auch im Familienatlas 2005 wird Sicherheit und Wohlstand, eine sehr gute Bildungs- und Arbeitsmarktsituation im Kreis Olpe hervorgehoben. Auf der anderen Seite findet man verschärften Fachkräftemangel bei geringer Frauenerwerbstätigkeit im Kreis vor. Die Erhöhung der Frauenerwerbstätigkeit, also eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Famile und Beruf, wird nach dieser Studie als wichtiger Standortfaktor der nahen Zukunft und als arbeitsmarktpolitische Herausforderung angesehen.

Veröffentlicht von: Sabine Borchers am 25.10.05 10:11